Von der Erkenntniskritik zur Kritischen Theorie der Gesellschaft.
Eine Untersuchung zur Vor- und Entstehungsgeschichte der
Kritischen Theorie Max Horkheimers
(1920 - 1927).
Opladen: Leske+Budrich 1997
331 Seiten, 64,- DM
ISBN 3-8100-1863-5
Mit dieser Studie wird eine bisher in der Forschungsliteratur zur Kritischen Theorie noch weitgehend unbeachtete Phase in der Entstehung von Horkheimers philosophischem Denken thematisiert. Anhand z. T. unveröffentlichter Materialien rekonstruiert sie zwei Phasen der Entwicklung, die Horkheimer nach 1920 in intensiver Auseinandersetzung mit historischen und zeitgenössischen philosophischen und wissenschaftlichen Positionen vollzogen hat. Im Zentrum seiner bis 1924 vertretenen, an Kant und Hans Cornelius, Horkheimers akademischem Lehrer, orientierten ‘transzendentalen Phänomenologie’ steht die Wendung gegen ein mechanistisches Erkenntnis- und Wissenschaftsprogramm. Ab 1925 überschreitet er mit seiner ,historisch-materialen Phänomenologie’ seine bisherige erkenntnistheoretische Ausgangsposition und begreift auch das erkennende Subjekt als Teil eines natürlichen, gesellschaftlichen und geschichtlichen (Handlungs-)Zusammenhangs.
Die Rekonstruktion dieser Entwicklung verdeutlicht die Originalität des von Horkheimer in den folgenden Jahren unternommenen Versuchs, den zeitgenössischen ,bürgerlichen’ und marxistischen Theorien ein eigenständiges Programm materialistischer Analyse und Kritik der Gesellschaft entgegenzusetzen.
Die Untersuchung der Texte
aus Horkheimers ,akademischen Lehrjahren’ zeigt, daß seine spätere
Konzeption einer kritischen Gesellschaftstheorie das Resultat eines langjährigen
intensiven Prozesses der Reflexion auf Voraussetzungen und Reichweite wissenschaftlicher
Erkenntnis ist.
Aus dem Inhalt:
Einleitung:
Max Horkheimers Weg zur
Kritischen Theorie
Teil A:
Erkenntniskritik und Mechanismus
bei Kant. Horkheimers Konzeption bis 1925
I. Der erkenntnistheoretische Dualismus von Sinnlichkeit und Verstand
Horkheimers Kritik und Revision der Kantischen Position – Die
Voraussetzungen seiner Kritik an
Kants Erkenntnislehre – Zwischen Psychologie und Transzendentalphilosophie
II. Vernunft, Verstand und mechanistischer Wissenschaftsbegriff
Horkheimers Interpretation der ,Kritik der Urteilskraft’ als Wissenschaftstheorie
–
Vernunfterkenntnis ohne Teleologie – Wissenschaft, Wirklichkeit
und praktische Vernunft
Teil B:
Von der transzendentalen zur historisch-materialen Phänomenologie
I. Bruch und Kontinuität. Horkheimers Paradigmenwechsel 1925/1926
Die Frage nach der Aufgabe der Philosophie – Horkheimers Abwendung
von der Bewußtseinsphilosophie –
Horkheimer und die phänomenologische Wendung ,zu den Sachen
selbst’
II. Horkheimers Entwurf einer historisch-materialen Phänomenologie
Begriff und Methode der historisch-materialen Phänomenologie
– Horkheimers Entwicklung im Spannungsfeld
zwischen Kant und Hegel – Der Primat der praktischen Vernunft
in der historisch-materialen Phänomenologie
III. Historisch-materiale Phänomenologie als (doppelte) Reflexion der historischen Praxis
Historischer Bedeutungswandel des Spannungsfeldes zwischen Kant
und Hegel – Historisch-materiale Phänomenologie
zwischen Lebensphilosophie und Philosophie der geschichtlichen
Praxis – Vernunftkritik und der Prozeß des ,Lebens’
in der Lebensphilosophie – Materialismus und geschichtliche Praxis
in der historisch-materialen Phänomenologie
Epilog:
Historisch-materiale Phänomenologie auf dem Weg zur materialistischen
Theorie und Kritik der Gesellschaft
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